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Lesben und Schwule

Die Situation von Schwulen im Altenheim wird recht plastisch in einem Artikel des Spiegel (42/2014) beschrieben. In einer heterosexuell gepolten Gemeinschaft alter Menschen werden sie gezwungen, ihr Schwulsein zu verstecken oder ein erneutes Coming out durchzustehen. Allenfalls in den „schwulen Metropolen“, so zeigt die hier dargestellte Untersuchung des Kölner Sozialwissenschaftlers Markus Schupp, beginnt ein langsamer Wandel zur Akzeptanz. Er schätzt, dass es ca. 100 000 Schwule geben müsse, die in Altenheimen leben. Fast alle leben verdeckt.

Dass die Lage im Alter schrecklich werden kann, befürchten wohl die meisten Lesben und Schwule.
So wurde auf der Kölner Tagung „Anders leben. Anders altern. Neue Perspektiven für Lesben und Schwule“ aus dem Jahr 2010 eine Untersuchung (lesbische Frauen über 50) der Fachhochschule Frankfurt am Main (Prof. Dr. Ulrike Schmauch) vorgestellt, die besagt, dass

- 68% der Frauen hatten persönlich oder vermittelt Kontakt zu Einrichtungen der Altenhilfe wie Seniorenbüros, Altenheime, Begegnungsstätten, Besuchsdienste usw.
- zwischen 72 und 96 % der befragten Frauen geben (je nach Einrichtung) an, dass die Angebote nicht auf lesbische Frauen eingerichtet sind.

Bereits im Jahr 2003 kommt eine Umfrage der Koordinierungsstelle gleichgeschlechtlicher. Lebensweisen in München zu folgenden Ergebnissen:

- 80% der Schwulen und Lesben Benachteiligung usw. erlebt haben
- 90% halten die gegenwärtigen Einrichtungen im Pflegebereich für inkompetent im Umgang mit Schwulen und Lesben
- 80% wünschen sich gemeinschaftliche Wohnformen im Alter.

Auch in der oben genannten Frankfurter Umfrage wünschen sich 49% der befragten Frauen gemeinschaftliche. Wohnformen als Ideal im Alter.

Wir halten fest: Seit mehr als 10 Jahren ist dokumentiert, dass für Lesben und Schwule die ideale Wohnform im Alter eine Gemeinschaftliche ist. Trotzdem hat sich erschreckend wenig getan. Bis auf die Villa Anders (die leider nicht behindertengerecht ist) und eher betreuten Ansätzen in Berlin und München hat sich auch in unseren schwulen Metropolen wenig getan!

Und abseits der Metropolen, auf dem platten Land, in Kleinstädten, in Mittelstädten und auch in Großstädten ohne LGBT- Infrastruktur ist Altwerden, verbunden mit zunehmender Immobilität, ein langsames Sterben, das mit dem sozialen Tod im Altenheim endet. Wir möchten diesem Schicksal eine Perspektive entgegensetzen. Wir möchten in Wohnungen und in einer Gemeinschaft leben, die einen würdevollen Lebensabend sicherstellt und nicht nur Schwule und Lesben umfasst. Um mit den Bremer Stadtmusikanten zu sprechen: „Etwas Besseres als den Tod können wir überall finden!“